Es ist wieder soweit: nach Tagen der freudvollen Erwartung halte ich die druckfrische Ausgabe des Unique in Händen (02 / 09), der laut Impressum vom Verein zur Förderung studentischer Medienfreiheit herausgegebenen Zeitung. Der Untertitel lässt einiges erwarten: „das schöne Leben in gedruckter Form”. Ich bin gespannt!

Die Zielgruppe der von der ÖH finanzierten Zeitung freut sich über ihr monatliches Hetzblatt, dessen Inhalte stets die gleichen zu sein scheinen: Emanziptionskampf verbunden mit dem Kampf um das Recht der Geburtenkontrolle und der Abtreibung, Betonung der Wichtigkeit unserer Sexualität, Aufzeigen der  Diskriminierungen und des Rassismus innerhalb unserer Gesellschaft, Verweis auf die Gefahr des Regierens rechter Parteien, wie etwa der ÖVP(!).

Zeit für eine Gegenüberstellung: Unique ist das Magazin der ÖH, Uni Wien, der Interessensvertretung von 72.000 Studenten. Bei den Wahlen der ÖH im Mai 2007 kamen VSStÖ, GRAS und KSV-LiLi (Ziel der Liste: radikaler und konsequenter Widerstand gegen reaktionäre Verhältnisse) gemeinsam auf 58,74 %, bei einer bundesweiten Wahlbeteiligung von 24,36 %. Die Mehrheit, nicht zu verleugnen. Übrig bleiben jedoch 41,26 %, denen zum Teil im Unique regelmäßig suggeriert wird, ihre Meinung sei nicht akzeptabel, die sich ständigen Anfeindungen dieser Zeitung ausgesetzt fühlen

Die Anzahl Homosexueller lässt sich nicht genau festlegen. Einige Bevölkerungsumfragen sehen einen Prozentsatz zwischen 1-10 % als wahrscheinlich an. Der Anteil Bisexueller wird als höher eingestuft. Bestimmt ein nicht zu ignorierender Teil unserer Gesellschaft, dem Gehör zu schenken ist, der nicht zu ver- oder beurteilen ist. Ob diese Zahlen es jedoch rechtfertigen, einem Studentenmagazin einen monatlichen Schwerpunkt zum Thema Homosexualität zu verpassen, scheint mir fraglich.

Auch jene Mädchen deren Aufmerksamkeit sich im Besonderen darauf richtet, ganz im Sinne der „Gender-Bewegung”, nicht nur eine geschlechtsneutrale Schreibweise zu propagieren, sondern auch den Menschen im Sinne von gender umzuformen, stellen keine Mehrheit dar.

Auch die Empfehlung eines Besuchs des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch empfinde ich von subsidiärer Bedeutung. Das Interview einer Performerin des im Februar statt findenden Pornonom (?)-Symposiums ermutigt ebenso wenig zum Besuch ebendieses, noch zur weiteren Beschäftigung mit diesem Thema.

Sexualität nimmt unter Jugendlichen zweifelsohne einen hohen Stellenwert ein, der Umgang der Zeitung mit diesem zweifelsfrei sehr persönlichen und heiklen Thema erscheint jedoch wenig interessant.

Was zu einem Großteil fehlt, sind informative Artikeln zu jenen Themen, die die Studenten wirklich interessiert, gerne auch abseits von einem Missbrauch zwecks Politisierung. Gesellschaftskritik ist gut und wichtig, sicherlich nicht nur auf dem Betätigungsfeld dieser selbsternannten “Studenten-Zeitung”.

Wie oft wollen wir noch lesen, dass es diskriminierend ist nicht „man/frau” zu schreiben und Transsexuelle zu verurteilen. Ein gut recherchierter Artikel über das Vorkommen von Transsexualität, die persönlichen Probleme der Betroffenen und Wege ihnen ihr Leben zu erleichtern pro Jahr, reicht doch völlig um dieses Thema ins Blickfeld zu rücken.

Mir stellt sich wieder einmal die Frage:

Finden endlich einmal andere Themenkreise Einzug in der Redaktion des Unique oder müssen wir davon ausgehen dass dessen Redakteure einfach so einen beschränkten Horizont haben?   JEStitia

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