valentinJeden Monat aufs Neue landet ein Werk abgedruckter sozialistischer Ideologie in meinem Briefkasten. Dieses zweifelhafte Vergnügen verdanke ich nicht etwa einem roten Parteibuch, sondern einzig und allein meiner Inskription an der Universität Wien. Kündigung des Abonnements – ausgeschlossen. Valentin Priesner (Bundesgeneralsekretär Stv.)

Gut, ich muss gestehen, dass mich die Entsorgung dieses Produkts nicht mehr Mühe kostet als die des täglichen Berges an Gemeindeblättern, Berzirksjournalen und Werbebroschüren. Auf den Gipfel getrieben wird diese Form der Zwangsbeglückung nur, dass sie auf meine eigenen Kosten geschieht. Jahr für Jahr werden mir für dieses Abo 33 € von meinem Konto abgebucht. Es handelt sich nämlich um die offizielle und einzige Zeitung der ÖH der Universität Wien. „unique“ bezeichnet sich das Blatt, und tatsächlich stellt es ein Unikat in der österreichischen Zeitungslandschaft dar. Von einem solchen Geschäftsmodell können Presse, Standard und Co nur träumen.

Doch ich möchte nicht vorschnell urteilen, möglicherweise hat mir die Zeitung ja doch etwas zu bieten. Gleich vorweg: Studienrelevante Informationen sucht man natürlich vergeblich. Doch was steht dann drinnen? Bei den RedakteurInnen fällt mir zunächst einmal auf, dass es sich in Wahrheit nur um Redakteurinnen handelt. Das finde ich zumindest konsequent. Lässt sich hier etwa schon ein Ansatz der im Folgenden so viel geforderten positiven Diskriminierung erkennen?

Ein paar Seiten weiter findet sich eine Abhandlung über die Sinnhaftigkeit der Vermögenssteuer. Wer sich jedoch eine Analyse eines studierten Ökonomen erhofft, was man sich ja von einer akademischen Zeitung erwarten könnte, wird enttäuscht. Stattdessen darf ein mittelmäßiger PoWi Student und sozialdemokratischer Nachwuchs-Regionalpolitiker seine einfältigen Schlussfolgerungen dartun. Von Vermögen sei ja „genug davon da“, und es würde ja nur wenige treffen. Und dass Steuerleistungen gar von allen kommen sollten, und nicht nur „von den Vermögenden“, erscheint ihm als Gipfel der Ungerechtigkeit.

Weiter geht es mit einer herzlichen Einladung zum Wiener Abtreibungsmuseum, einer eindringlichen Forderung nach Abtreibung auf Kosten des Staates (natürlich zeitlich unbegrenzt und als selbstverständliches und exklusives Frauenrecht) und einer detaillierten Anleitung zur Geschlechtsumwandlung. Neben Psycho- und Hormontherapie wird auch eine geschlechtsanpassende Operation der Genetalien samt amtlicher Bestätigung des neuen Geschlechts empfohlen.

Weiter unten schult eine Kolumne den Leser in korrekter feministischer Schreibweise. Doch der Autor scheint selbst innerlich zerrissen, da er keine ihn zufrieden stellende feministische und nicht zweigeschlechterfestschreibende Schreibweise des Wortes „Bäcker“ finden kann. Weder „Bäcker_innen“, „Back*“, noch „Backninnen“ sind für ihn akzeptabel. Der Autor bietet neben solch wertvollen Tipps auch professionelle Schamanendienste im Internet an. Für gerade einmal 1080 € kann man ihn zur Energetisch-spirituellen Raumreinigung im 10er Block buchen. Seriosität in Reinkultur.

Meine letzte Hoffnung auf etwas seriöse und nützliche Information setze ich auf den ÖH-Terminkalender. Antifaschistischer Aufmarsch in Innsbruck, Aufruf zum Frauen*Lesben*Mädchen-Kampftag, Einladung zur Frauengeneralversammlung der ÖH, HomoBiTrans* Aktionswoche. Alles gratis, die ÖH zahlt. Der Haken: Männliche Teilnehmer bzw. „Heterogacksi“ (wie die ÖH heterosexuelle zu bezeichnen pflegt) nicht erwünscht. Ich fühle mich ausgeschlossen. Warum bekomme ich das überhaupt?

Einiges klar hingegen wird mir beim Betrachten der Buchempfehlungen der Redaktion: „Die Perestroika des Kapitalismus“, „Film im Sozialismus“, Literatur von Marx zur Revolutionstheorie, und zuletzt ein Buch, in dem Männer von Frauen unterjocht und gezwungen werden PHs (= Penishalter) zu tragen, werden dem Leser ans Herz gelegt. Die Durchdringung mit sozialistischer und kommunistischer Ideologie scheint in der unique-Redaktion noch weiter fortgeschritten zu sein, als ich bisher gedacht habe.

Wer nun meint, dieses Blatt sei ein harmloses Produkt weniger Fanatiker, der sei auf folgende ÖH-Definition verwiesen: „UNIQUE ist die in Text geflossene, auf Papier gepresste Politik der Universitätsvertretung.“ (oeh.univie.at). Oder: Propaganda in gedruckter Form.

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